
Die Adipositas hat heute in Industriestaaten bereits endemische Ausmaße und wird das Hauptgesundheitsproblem des Jahrhunderts sein. Weltweit sind inzwischen bereits mehr als eine Milliarde Menschen übergewichtig, 300 Millionen davon adipös.
In Österreich liegt die Prävalenz der Adipositas der erwachsenen Bevölkerung bei 11 Prozent, alarmierende 42 Prozent der ÖsterreicherInnen leiden an Übergewicht. Bei Kindern und Jugendlichen liegt der Anteil der Adipositas zwischen 4,5 Prozent und 7,5 Prozent, 19 Prozent aller Kinder und Jugendlichen liegen über den Referenzwerten, Tendenz steigend.
Mit zunehmender Häufigkeit der Adipositas sind Versorgungsengpässe und Kostenanstiege im Gesundheitssystem zu erwarten, die ökonomische Dimension von Adipositas daher entsprechend groß. Schon jetzt verschlingen Adipositas und Folgeerkrankungen bis zu 10 Prozent der Gesamtausgaben des österreichischen Gesundheitswesens. Wenn sich die Prävalenz in Österreich um nur ein Prozent verringern würde, so könnten direkte Gesundheitskosten in der Höhe von 751,4 Millionen Euro eingespart werden.
Im Lichte dieser Tatsachen ist es daher besonders wichtig, das Problembewusstsein zu stärken, Public-Health-Strategien zur Gesundheitsförderung zu entwickeln, Präventionsmaßnahmen zielgruppenspezifisch zu forcieren und für die Betroffenen eine professionelle Therapie anzubieten.
Das wissenschaftlich fundierte Therapiekonzept myLINE liefert ein validiertes Adipositasprogramm, das den Qualitätskriterien und Leitlinien nationaler und internationaler Fachgremien zur langfristigen Gewichtsreduktion entspricht. Es bietet mit seinem Österreichweiten myLINE-Netzwerk von niedergelassenen Ärzten/ Partnerordinationen durch direkte Betreuung am Heimatort eine sinnvolle Ergänzung zu ambulanten Adipositaszentren und setzt damit einen wichtigen Schritt im österreichischen Gesundheitsmanagement.
Langfristig ist eine intensive Verknüpfung zwischen intra- und extramuralem Bereich anzustreben, um die bestmögliche Betreuung des Patienten sicherzustellen und so der rasanten Ausbreitung der Adipositas in Österreich entgegen zu wirken.
Ao. Univ.-Prof. Dr. Bernhard Ludvik
Universitätsklinik für Innere Medizin III, Abteilung für Endokrinologie und Stoffwechsel
Medizinische Universität Wien, Präsident der Österreichischen Diabetes Gesellschaft